Erschöpfung ist zunächst eine nachvollziehbare Reaktion darauf, dass etwas zu viel oder zu wenig ist. Nicht immer ist sofort klar, wie es weitergeht. Zunächst geht es darum gehen, wieder Boden zu finden.
Psychische Beschwerden entstehen nicht losgelöst von den Bedingungen, unter denen Menschen leben. Biografische Erfahrungen, Beziehungen, soziale Rollen, Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen können beeinflussen, wie Menschen sich selbst wahrnehmen, welche Anforderungen sie an sich stellen und wie lange sie eigene Belastungsgrenzen überschreiten.
Meine therapeutische Perspektive richtet sich deshalb nicht ausschließlich darauf, was ein Mensch an sich verändern kann. Ebenso wichtig ist die Frage, was zur eigenen Person gehört – und was eine Reaktion auf die Bedingungen ist, unter denen jemand lebt, arbeitet und Beziehungen führt.
Nicht jede Belastung lässt sich durch mehr Selbstoptimierung oder persönliche Anstrengung lösen. Ein genaueres Verständnis kann entlasten und dabei helfen, zu unterscheiden, wo Veränderung möglich ist, wo Grenzen hilfreich sind und welche Bedingungen vielleicht neu betrachtet werden können.
Ziel ist ein selbstwirksamer Umgang mit Belastung – nicht, um noch besser zu funktionieren, sondern um das Leben gestalten und genießen zu können.